Keine Angst vor dem Herzinfarkt

- Früherkennung schafft Sicherheit

Herzinfarkt - Ein Wort, das Angst macht. Denn mit dem Herzinfarkt verbinden die meisten Menschen Gedanken an den Tod. Kein Wunder: Herzinfarkt ist in den westlichen Industrienationen die Todesursache Nummer 1. In Deutschland stirbt beinahe die Hälfte der ungefähr 270.000 Betroffenen pro Jahr. Dabei sind entgegen der allgemeinen Annahme Frauen häufiger betroffen als Männer. Jährlich rund 87.000 Frauen und 78.000 Männer, berichtet die Deutsche Kardiologische Gesellschaft. Selbst wer einen Herzinfarkt überlebt, ist oft in seiner Lebensqualität stark beeinträchtigt. Zudem ist ein Herzinfarkt teuer. Denken Sie dabei etwa neben den zusätzlichen Kosten für die medizinische Versorgung auch an mögliche Verdienstausfälle

Die Ursachen des Herzinfarktes

Wahrscheinlich kennen Sie den Begriff der Gefäßverkalkung. Sie wird im Volksmund dafür verantwortlich gemacht, dass eine Herzarterie verstopft und so den Infarkt verursacht. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Neueste Forschungen belegen, dass andere Ablagerungen in den Herzgefäßen viel gefährlicher sind. Bei diesen Ablagerungen handelt es sich um Fettpartikel. Diese bleiben unter ungünstigen Umständen wie Rauchen, Bewegungsmangel oder einer unausgewogenen Ernährung in der Arterienwand und verändern sich dort. Das Fett wird sozusagen „ranzig” und verursacht eine Entzündung. Diese wird vom Immunsystem bekämpft. Dabei bildet sich eine fetthaltige Ablagerung aus Cholesterin-Partikeln und Bruchstücken abgestorbener Zellen, die nur durch eine dünne Zellschicht von der Blutbahn getrennt ist - ein so genannter Soft-Plaque. Gefährlich wird es, wenn diese trennende Schicht einreißt. Wie es dazu kommt, ist nicht genau bekannt. Liegt der Plaque frei, wird sofort das Gerinnungssystem des Blutes aktiviert. Dabei bildet sich schließlichein Pfropf, der das Herzkranzgefäß verschließt. Das hinter der Verstopfung liegende Muskelgewebe ist dann nicht mehr durchblutet und stirbt ab - es kommt zum Herzinfarkt.




Entstehung eines Herzinfarktes 



Risiken früh erkennen - auch in der Nachsorge

Doch zum Infarkt muss es gar nicht erst kommen. Die moderne Medizin kennt Vorsorgeuntersuchungen, die das Infarktrisiko schnell und bequem klären. Sie können dann als Patient durch eine veränderte Lebensweise und geeignete medizinische Begleitung das Risiko für einen Herzinfarkt sehr stark verringern. Die Methoden aus der Vorsorge verbessern auch die Qualität der Nachsorge nach Herzoperationen. So zum Beispiel die Kontrolle von Gefäßen, in die Stents eingesetzt wurden.

Die Vorsorgeuntersuchungen

Ohne begründeten Verdacht wird ein verantwortlicher Mediziner Ihr Herz nie mit radiologischen Methoden untersuchen. Wenn es aber Anlass für eine solche Untersuchung gibt, stehen - einzeln oder aufeinander aufbauend - zur Diagnose und Früherkennung von möglichen Herzbeschwerden der modernen Medizin in unserer Praxis vor allem drei Verfahren zur Verfügung, die wir Ihnen im Folgenden kurz vorstellen wollen.


1. Der Agatston-Score (AS)


Bei diesem meist zunächst angewandten Verfahren wird die Verkalkung der Herzkranzgefäße beurteilt. Ein hoher Agatston-Score steht für eine hohe Verkalkung und damit für ein erheblich erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Der Score wird dabei durch eine Computertomographie (CT) bestimmt. Die CT ist ähnlich dem Röntgen ein bildgebendes Verfahren, mit dem Schichtaufnahmen Ihres Körpers gemacht werden können. In diesem Fall Aufnahmen Ihrer Herzgefäße. Die Untersuchung selbst dauert nur wenige Sekunden. Sie brauchen dafür keine Medikamente oder Kontrastmittel einzunehmen.
Bei einem niedrigen Score, also beim Fehlen von Verkalkungen kann eine bedeutsame Erkrankung der Herzkranzgefäße dagegen recht sicher ausgeschlossen werden.

Kosten: 252,58 Euro

Gegenanzeigen:

- bestehende Schwangerschaft
- jugendliches Alter.



2. Die CT-Koronarangiographie (CTCA)


Bei dieser Untersuchung wird Ihr Herz mittels eines Hochleistungs-Computertomographen umfassend abgebildet. Unsere Gemeinschaftspraxis hat eigens für die verbesserte Untersuchung des Herzens als erste Praxis in Hessen einen so genannten 64-Zeilen-Computertomographen angeschafft. Das Gerät kann selbst noch sehr kleine Gefäße an Ihrem Herzen dreidimensional darstellen. Aber nicht nur das: Es erkennt in den Gefäßen auch die für die Infarkt-Risiko-Abwägung so bedeutsamen Soft-Plaques.
Auch die CTCA dauert nur wenige Sekunden. Die Untersuchung ist bequem und schmerzlos. Allerdings müssen Sie ein Kontrastmittel gespritzt bekommen und - wenn Sie sehr unruhig sein sollten - auch ein beruhigendes Medikament einnehmen. Nach Abschluss der Untersuchung muss Ihr Radiologe die Daten analysieren und bewerten. Danach wird er Ihnen ein genaues Bild vom Zustand Ihres Herzens vermitteln.
Die CTCA ist übrigens nicht nur eine gut geeignete Methode, um Ihr Infarktrisiko genau einzuschätzen. Sie kann insbesondere bei Patienten mit unklaren Herzbeschwerden eine diagnostische Herzkatheter-Untersuchung ersetzen.

Anzeigen zur CTCA:

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Unklare Brustschmerzen bei verdächtigem Agatston-Score
- Brustschmerzen bei Belastung ohne EKG-Korrelat
- Ablehnung einer Herzkatheteruntersuchung
- Unklarer Herzkatheterbefund
- Anatomische Risikovarianten der Herzkranzgefäße
- Nachsorge:
- bei eingelegten Stents
- zur Kontrolle nach Bypass-OP
- Risikoabschätzung vor geplanten großen Operationen
- vor Herzklappen-OP bei asymptomatischen Patienten.

Die CTCA erfordert:

Aktuelles EKG: ja (mit Auswertung)
Arterienpunktion: nein!
Venenpunktion: ja
Kontrastmittel: ja (70-100ml jodhaltige KM)
Medikamente: ja (Betablocker; Gegenanzeigen beachten)
Strahlenbelastung: 6 -10 mSv (ca.)
Zeitbedarf: 15 Sekunden (reine Untersuchungszeit)
Kosten: 614,58 Euro. (Kosten für den Agatston-Score inklusive)

Gegenanzeigen:
- bestehende Schwangerschaft und jugendliches Alter
- KM-Unverträglichkeit
- Störungen der Nierenfunktion
- Schilddrüsenüberfunktion
- Asthma, Sinusbradykardie, AV-Block
- Sehr hoher Agatston-Score (Messfehler für die CTCA)

CT-Koronarangiographien



3. Kardio-Magnetresonanztomographie (Kardio-MRT)


Die Magnetresonanztomographie ist eine Methode, mit der fast alle anatomischen Strukturen im Körper sehr detailgetreu dargestellt werden können. Darüber hinaus, und dies ist für die Beantwortung bei kardiologischen Fragestellungen sehr wichtig, können Bewegungsanalysen und andere Funktionen wie zum Beispiel die Herzmuskeldurchblutung und der Blutfluss in den Blutgefäßen bestimmt werden.
Die Kardio-MRT erlaubt es dem Facharzt also, die Funktionsfähigkeit sozusagen direkt am schlagenden Herzen zu beurteilen. Dieses Verfahren bietet sich insbesondere an, um Diagnosen aus Agatston-Score und CT zu ergänzen bzw. zu bestätigen. Das heißt, dieses Verfahren wird meist erst dann angewendet, wenn zum Beispiel eine CT kein ausreichend deutliches Ergebnis erbracht hat.

Für wen ist die Kardio-MRT angezeigt?

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Die Anzeige zur Kardio-MR ergibt sich bei jungen Patienten, wenn besonderes Augenmerk auf die Strahlenbelastung zu richten ist
- bei Fragestellungen, die über die einfache Qualifizierung und Quantifizierung der KHK hinausgehen
- bei hohen Agatston-Scores, da die Bestimmung der regionalen Herzmuskeldurchblutung mit der MRT nicht von der Kalkbeladung der Herzkranzgefäße behindert wird.
- zur Beurteilung der hämodynamischen Relevanz einer in der CTCA nachgewiesenen, aber klinisch stummen Stenose
- zur Infarktnachsorge (Größe des Infarktareals, Versorgung über Nachbargefäße, sekundäre Bewegungsstörung und Aneurysmabildung [Aneurysma: Aussackung des Herzens mit Gefahr der Thrombenablagerung oder der Ruptur])

Kardio-MRT und CTCA verhalten sich in ihren Aussagen komplementär zueinander; sie können sich gewissermaßen beim Strahlenschutz und bei schwer verkalkten Gefäßen „gegenseitig vertreten“.
Zur Frage wann welches Verfahren einzusetzen ist, sei auf die „Faustregel“ am Schluss verwiesen.

Die Kardio-MRT erfordert:

Aktuelles EKG: ja (mit Auswertung)
Arterienpunktion: nein!
Venenpunktion: ja
Kontrastmittel: ja (15-30 ml gadoliniumhaltiges KM)
Medikamente: ja (Stressuntersuchung)
Strahlenbelastung: keine
Zeitbedarf: 45 – 60 Minuten (reine Untersuchungszeit)
Kosten: 750 Euro (ca.)

Gegenanzeigen:
- bestehende Schwangerschaft
- Herzschrittmacher und metall. Implantate
- KM-Unverträglichkeit gegen Gadolinium
- WPW-Syndrom oder andere Reizleitungssyndrome


Wann soll welches Verfahren eingesetzt werden?

Als Faustregel hat sich bewährt:

- den jungen Patienten (etwa bis 35 Jahre) mit unklarer Herzsymptomatik, fehlenden familiären oder individuellen Risikofaktoren und demgemäß erfahrungsgemäß geringer Wahrscheinlichkeit einer koronaren Herzerkrankung (KHK) wird man der Kardio-MRT zuführen, (Argumente: Strahlenfreiheit, Möglichkeit anderer Herzerkrankungen, z. B. Herzfehler, Herzmuskelentzündung etc.)

- den älteren Patienten z.B. mit unklarem Brustschmerz und den Hochrisikopatienten für eine KHK zur allgemeinen Abschätzung seines Risikos zuerst dem Agatston-Score. Bei entsprechenden Ergebnissen und gemäß den oben skizzierten Indikationen dann ggf. der CTCA.

- Bei CTCA kompatiblem AS sollte die CTCA diesem nachfolgen.

- Bei hohem Agatston-Score wird als Folgediagnostik der Herzkatheter angeschlossen, da eine hohe Wahrscheinlichkeit therapiefähiger Befunde (in gleicher Sitzung!) zu erwarten steht, während die CTCA durch die Kalklast ungenaue Resultate liefert. Ersatzweise kann bei Ablehnung des Herzkatheters die Kardio-MRT eingesetzt werden, da sie durch die hohe Kalkmasse nicht behindert wird.
- Zur Erfassung und ggf. Überwachung einer stabilen Angina pectoris mit Kardio-MRT
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Zur Bewertung einer klinisch stummen Gefäßveränderung, die mit der CTCA nachgewiesen wurde, die Kardio-MRT.

Kardio-MRT

Beispiel einer Kardio-MRT bei einem Patienten mit einem abgelaufenen Herzinfarkt, erkennbar an der hellen Stelle der Herzwand ("Late Enhancement"), mit Pfeilen markiert 


Herzinfarkt: Die Risikofaktoren


Die Häufigkeit von Herzinfarkten hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Das liegt vor allem daran, dass wir unsere Herzen durch eine ungesunde Lebensweise übermäßig stark belasten. Natürlicherweise nimmt das Risiko für einen Herzinfarkt mit steigendem Alter zu. Bei Männern bereits ab 40 Jahren, bei Frauen ab 50 Jahren.

Die wichtigsten anderen Risikofaktoren sind:

Rauchen
Bluthochdruck
Zuckerkrankheit
Einseitige Ernährung und Fettsucht (Adipositas)
Erhöhte Chlosterinwerte
Stress
Bewegungsmangel
Erbliche Faktoren (Infarkthäufung in der Familie)
und in der Diskussion: Bakterien (Chlamydien).

Verschaffen Sie sich Sicherheit durch Vorsorge

Wenn einer oder mehrere Risikofaktoren auf Sie zutreffen, könnte eine Vorsorgeuntersuchung für Sie sinnvoll sein. Lassen Sie sich dazu hier bei uns in der Praxis beraten oder wenden Sie sich an Ihren Hausarzt. Unser Team am Empfang und unsere Ärzte beantworten Ihnen gerne weitere Fragen. Vereinbaren Sie am Besten einen Termin.
Am Besten lassen Sie es gar nicht erst so weit kommen, dass Sie ein erhöhtes Infarktrisiko auf sich nehmen. Tun Sie etwas, damit Ihr Herz gesund bleibt. Als Vorbeugung sind eine vernünftige Ernährung, viel Bewegung, kontrollierter Sport, ein möglichst stressfreies Leben sowie regelmäßige Untersuchungen, zum Beispiel mit Hilfe eines Belastungs-EKG zu empfehlen. Bei der Ernährung ist besonders darauf zu achten, möglichst wenig tierische Fette und wenig zuckerhaltige Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Stattdessen sind etwa Obst und Gemüse sehr empfehlenswert, ob als Frucht oder als Saft. Als sportliche Aktivitäten haben sich ganz besonders Skilanglauf, leichtes Jogging, Fahrradfahren und längere Spaziergänge als sinnvoll erwiesen.
Risikopatienten wie Raucher, Diabetiker, Bluthochdruckpatienten, stark Übergewichtige oder Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten sollten unbedingt regelmäßig einen Arzt aufsuchen.

Frauenherzen schlagen anders

Rauchen, Diabetes und Hochdruck sind für Frauen schädlicher als für Männer. Zwei Drittel aller Frauen meinen, dass Brustkrebs die größte Gefahr für ihre Gesundheit darstellt. Dieser trifft jedoch „nur“ jede zehnte Frau, während jede zweite einem Herz-Kreislauf-Leiden zum Opfer fällt. Obwohl diese Erkrankungsgruppe damit Todesursache Nummer eins unter Frauen ist, wird sie noch immer weithin als ein typisches Männerproblem betrachtet. Deutlich weniger bekannt ist auch, dass Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Leiden für Frauen weit gefährlicher sind als für Männer. Zunehmend sind auch jüngere Frauen betroffen, bedingt durch den steigenden Anteil an Raucherinnen. Sie schwächen durch den Tabakkonsum die Östrogen-Schutzbarriere für Herz und Gefäße.


Differentialindikationen

Agatston-Score  CT-Koronarangiographie  Kardio-MRT 
Alter >/= 40 Jahre  Alter >/= 40 Jahre  Jedes Alter; auch Jugendliche 
Belastungs-Brustschmerz  Belastungs-Brustschmerz
Pathologischer AS  
Hoher AS 
Risikofaktoren  Stent/Bypass-Nachsorge  Überwachung der stabilen Angina pectoris 
Inkonklusives EKG  Vor großen Operationen
Vor Herzklappen-OP  
Bewertung einer klinisch stummen Stenose, die in der CTCA festgestellt wurde 
  Unklarer Herzkatheter   Erweiterte Herzdiagnostik 
  Anatomische Risikovarianten der Herzkranzgefäße    



Vorsorge mit der MRT
Indikationen für MRT und CT